Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren…

… würde sich doch prima über dem „Eingang“ zum Internet machen (1). Zumindest wenn man sich auf die negativen Schlagzeilen konzentriert. Was ist mit all den positiven Entwicklungen, die das Internet in den letzten Jahrzehnten ermöglicht hat? Für mich allem voran die neuen Kommunikationsmöglichkeiten und damit die Möglichkeiten, Menschen gleicher Interessen zu finden und sich auszutauschen. Und noch wichtiger, der vereinfachte Zugriff auf Wissen.

Aber an schlechten Nachrichten über das Medium Internet mangelt es ja nicht wirklich. Man kann den Eindruck gewinnen, das gesamte Netz bestände nur aus Kriminellen, vorzugsweise Kinderschändern oder Terroristen. Die wenigen Ausnahmen, die nicht unter die Regel fallen, sind dann wohl Drogenhändler/-abhängige. Oder böse Hacker. Und wenn dann die Rede vom Darknet ist, da weiß man doch gleich, was man für sein Geld bekommt.

Wenn es etwas weniger reißerisch zugeht, taucht auch mal eine Meldung auf wenn Unternehmen wie Yahoo es schaffen sich gleich 3 Milliarden Datensätze aller ihrer Kunden klauen zu lassen. Und auch das Wissen über die Datensammelwut der Konzerne macht mittlerweile die Runde. Darüber, dass Firmen wie Facebook und Google ihre Produkte nicht aus purem Altruismus umsonst verteilen, sondern uns bei jeder unserer Aktivitäten über die Schulter schauen und speichern was wir tun. Und damit beständig mehr Geld anhäufen während die “Kunden” (2) immer gläserner werden. Über die möglichen Gegenmaßnahmen und die wahren Ausmaße der Bedrohung wird aber dann leider viel zu selten berichtet.

Bei jedem neuen Verschlüsselungstrojaner naht dann aber doch gleich der Untergang der Welt. Und da werden leider Ratschläge gegeben. Es dauert sicher nicht lange bis zum nächsten todsicheren Tipp einer phantastischen Antivirensoftware. Und was einem da alles versprochen wird: 

– Natürlich schützt das Produkt unseren Rechner und auch gleich Handy und Tablet gegen alles bekannte Böse und was da noch kommen mag. Tut es übrigens nur bedingt. Alte Schadsoftware wird erkannt, aber bei neuen Modellen wie Wannacry versagt die Software elendig. Wir werden uns anschauen, wie das besser geht.

– Unsere Identität wird selbstverständlich auch gleich noch abgesichert und die Privatsphäre geschützt. Was die dabei verkauften VPNs (virtual private networks) natürlich nicht bieten. Ja, man hat damit die Möglichkeit seine Identität ein wenig zu verschleiern, aber Privatsphäre erreichen wir anders. Auf den wirklichen Grund VPNs einzusetzen und wo sie Euch schützen, gehen wir noch ein.

– Eine Cloud-Lösung ist auch noch dabei, ist ja schwer angesagt zur Zeit. Verkauft wird sowas wie “sichere Deine Daten in unserer Cloud, denn wenn was passiert hast Du ein Backup”. Dass man damit seine wichtigsten Daten zu einem möglichen Angriffsziel macht und ein online-Backup nur _eine_ (und nicht die bedeutendste) Komponente des Backupkonzeptes (auch dazu ist ein Artikel auf der Liste) ist, das wird verschwiegen.

Wir gehen auf all die Punkte in weiteren Artikeln ein, aber wer der Werbung folgt tappt schön in die Falle. Glaubt man, dass einem ein Stück Software in Abo-Form vor allen Widrigkeiten beschützt, hat man am Ende drei Probleme:

– Zum einen ist es schade um das Geld, damit hätte man auch was Sinnvolles anfangen können (3).

– Dann löst das Programm nicht Euer Sicherheitsproblem, das kann eine Software, egal was die ganzen Marketinglügner behaupten, schlicht nicht leisten. Der Sicherheitsforscher Bruce Schneier (4) sagt darüber: “If you think technology can solve your security problems, then you don’t understand the problems and you don’t understand the technology.”

– Und dann wiegt Euch das Werbegeschwurbel (5) in Sicherheit und _das_ ist dann wirklich ein Problem.

Dabei erfordert ein deutlich sicherer Umgang mit dem Internet nur eins: Mitdenken.  Mitdenken darüber wo welche Gefahren lauern, um sich dann sinnvolle Verhaltensweisen anzugewöhnen. Und das gegebenenfalls in Verbindung mit dem einen oder anderen kleinen und meist kostenlosem bis günstigem Tool. Und das hilft auch gegen den totalen Verlust unserer Privatsphäre. Sorglosigkeit durch den Glauben an Werbeversprechen ist da genau der falsche Weg. 

Und damit kommen wir zu dem, was uns hier in nächster Zeit erwartet. Wir werden uns anschauen welche Gefahren im Netz drohen und wie wir uns davor schützen. Wie wir unsere Onlinezugänge absichern und Infektionen mit Schadsoftware wie Verschlüsselungstrojanern vermeiden. Aber auch wie wir unsere Privatsphäre schützen und weniger gläsern für die Internetkonzerne werden. Alles ohne falsche Versprechen und ohne zuviel Techniksprech.

m

(1) https://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article141390819/Ihr-die-ihr-hier-eintretet-lasst-alle-Hoffnung-fahren.html

(2) Jaron Lanier: “If you are not paying for it, you’re not the customer; you’re the product being sold.” https://quoteinvestigator.com/2017/07/16/product/

(3) Zum Beispiel könntet Ihr den Verein Digitalcourage e.V. unterstützen. Die setzen sich seit über 30 Jahren für Datenschutz und unsere Rechte im Netz ein und verleihen zudem jährlich den Big Brother Award an den größten Überwacher. Die ganze Arbeit wird von Ehrenamtlichen gemacht und ist sicher eine Spende wert. https://digitalcourage.de/

(4) https://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_Schneier

(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Geschwurbel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.